Letzten November habe ich an einem Samstagmorgen die Hauptsicherung meiner Wohnung ausgeschaltet – bewusst, ohne Ankündigung eines echten Notfalls, einfach um zu sehen, was passiert. 30 Stunden lang kein Strom, kein Licht per Schalter, kein WLAN. Was ich danach wusste, wusste ich vorher nicht, obwohl ich mich seit Jahren mit Notfallvorsorge beschäftige. Eine Blackout-Übung ist der einzige Weg, Vorsorge wirklich zu testen, statt sie nur zu planen.
Warum eine Blackout-Übung mehr bringt als jede Checkliste
Eine Packliste sagt dir, was du besitzen solltest. Sie sagt dir nicht, ob die Stirnlampe im Schrank überhaupt noch Batterien hat, ob dein Kühlschrank nach 20 Stunden ohne Strom noch kalt genug ist, oder ob du im Dunkeln überhaupt weißt, wo der Gaskocher liegt. Genau diese Lücke zwischen Theorie und Praxis deckt eine simulierte Übung auf. Bei mir war es zum Beispiel die Powerbank, die ich für „voll geladen“ hielt – tatsächlich lag sie bei 61 Prozent, weil ich sie drei Wochen zuvor zuletzt benutzt hatte.
Vorbereitung: Was vor dem Test geklärt sein muss
Ein paar Punkte solltest du vor dem eigentlichen Test abhaken, sonst wird aus der Übung ungewollt ein echtes Problem:
- Mitbewohner oder Familie informieren. Alle im Haushalt sollten wissen, dass es sich um einen geplanten Test handelt und wann er endet. Sonst sorgt sich abends jemand unnötig oder schaltet die Sicherung wieder ein.
- Kühlschrank und Gefrierfach vorbereiten. Ich habe meinen Kühlschrank am Vorabend auf die kälteste Stufe gestellt und eine Flasche Wasser hineingestellt, die als Kälte-Puffer dient. Ein voller, gut gekühlter Kühlschrank hält deutlich länger dicht als ein halbleerer.
- Akkus und Powerbanks vollständig laden. Handy, Powerstation, Stirnlampen, eventuell ein Radio – alles auf 100 Prozent, damit du während des Tests siehst, wie schnell der reale Verbrauch die Reserven aufbraucht.
- Sicherheitsgrenze festlegen. Wer Bedenken hat – etwa wegen medizinischer Geräte, eines Aquariums oder einer Alarmanlage – sollte nicht die Hauptsicherung, sondern gezielt einzelne Stromkreise am Sicherungskasten abschalten, zum Beispiel nur Beleuchtung und Steckdosen im Wohnzimmer. Der Lerneffekt bleibt weitgehend erhalten, das Risiko sinkt erheblich.
- Enddatum und Uhrzeit fix einplanen. Ich habe mir im Kalender einen Termin für „Strom wieder an“ gesetzt, damit die Übung nicht ausufert und ich am Montag ausgeschlafen zur Arbeit kann.
Der Ablauf: 24 bis 48 Stunden ohne Strom
Ich habe mich für 30 Stunden entschieden, von Samstag 9 Uhr bis Sonntag 15 Uhr. Das reicht, um durch eine Nacht zu kommen und zwei volle Mahlzeiten zu kochen, ohne dass es zur echten Belastungsprobe für Lebensmittel im Kühlschrank wird. Was mir in den ersten Stunden auffiel: Die Stille. Kein Kühlschrank-Brummen, kein Router-Lüfter – das ist ungewohnter, als man denkt, und beeinflusst spürbar die Stimmung im Raum.
Nach etwa vier Stunden wurde klar, wie sehr Beleuchtung Priorität hat. Mit einer guten Stirnlampe und zwei kleinen LED-Laternen kam ich problemlos durch den Abend, aber ich hatte unterschätzt, wie viel Orientierung im Alltag über beiläufig eingeschaltetes Licht läuft – Flur, Bad, Treppe. Kochen ohne Strom habe ich mit einem Gaskocher getestet; zwei Mahlzeiten für zwei Personen haben etwa eine halbe Gaskartusche verbraucht, was für ein reales Blackout-Szenario über mehrere Tage schon eine spürbare Vorratsfrage aufwirft.
Der Kühlschrank hielt in meinem Test rund 20 Stunden lang eine akzeptable Innentemperatur, bevor ich beim Öffnen deutlich wärmere Luft spürte. Nach 30 Stunden war das Gefrierfach noch fest gefroren, der Kühlschrank selbst aber am oberen Rand dessen, was ich für unbedenklich halte. Die Powerbank mit 20.000 mAh reichte für zwei Handy-Vollladungen plus etwas Radio-Streaming über eine kleine Powerstation – realistisch für einen Tag, nicht für eine Woche.
Auswertung: Was ich aus der Übung mitgenommen habe
Meine ehrliche Einordnung nach dem Test: Die Vorräte an Wasser und Konserven waren ausreichend, aber die Beleuchtung war der schwächste Punkt in meiner Vorsorge – zu wenige Ersatzbatterien, keine zweite Stirnlampe für den Fall, dass jemand anders im Haushalt gleichzeitig Licht braucht. Ich habe danach zwei zusätzliche Stirnlampen und einen Vorrat AA-Batterien nachgekauft. Ohne die Übung wäre mir diese Lücke wahrscheinlich erst in einem echten Stromausfall aufgefallen, und das wäre der denkbar schlechteste Zeitpunkt gewesen.
Eine Sache würde ich beim nächsten Mal anders machen: die Übung im Winter bei niedrigeren Außentemperaturen wiederholen, weil Heizen dann zum eigentlichen Nadelöhr wird und ich das im November-Test bewusst ausgeklammert hatte.
Vorteile und Nachteile
Vorteile:
- Deckt reale Schwachstellen auf, die keine Checkliste findet (leere Batterien, falsche Annahmen über Akkulaufzeit)
- Kostet nichts außer etwas Komfortverzicht für ein Wochenende
- Schult den ganzen Haushalt im praktischen Umgang mit Notfallausrüstung statt nur im Besitz davon
- Liefert konkrete Zahlen (Kühlschrank-Haltezeit, Akku-Verbrauch), auf denen sich die eigene Vorsorge realistisch planen lässt
Nachteile:
- Ein Wochenende ohne Strom ist unbequem und für Familien mit kleinen Kindern nicht immer stressfrei umsetzbar
- Bei medizinischen Geräten oder Home-Office-Verpflichtungen ist eine volle Hauptsicherung-Abschaltung nicht praktikabel
- Ein einzelner Test bildet nicht alle Jahreszeiten-Szenarien ab – Hitze- und Kälteperioden verändern die Belastung deutlich
- Ohne klare Enddatum-Planung kann die Übung ungeplant länger dauern als beabsichtigt
Häufige Fragen
Wie lange sollte eine Blackout-Übung mindestens dauern?
Mindestens 24 Stunden, damit du durch eine Nacht kommst und siehst, wie sich Kühlschrank und Akkus über einen längeren Zeitraum verhalten. Kürzere Tests von nur wenigen Stunden zeigen die eigentlichen Engpässe kaum.
Ist es sicher, die Hauptsicherung selbst auszuschalten?
In den meisten Wohnungen ja, da die Hauptsicherung genau dafür ausgelegt ist, den Stromkreis sicher zu trennen. Bei Bedenken – etwa wegen medizinischer Geräte oder einer Alarmanlage – reicht es, nur einzelne Sicherungen im Kasten abzuschalten.
Was mache ich mit dem Kühlschrankinhalt während der Übung?
Kühlschrank und Gefrierfach möglichst geschlossen halten, vorher auf die kälteste Stufe stellen und einen Kälte-Puffer wie eine gefrorene Wasserflasche hineinlegen. So bleibt der Innenraum über 20 bis 24 Stunden meist ausreichend kalt.
Kann ich die Übung auch nur für einzelne Räume machen?
Ja, das ist sogar der empfohlene Einstieg. Schalte gezielt die Sicherung für Wohnzimmer oder Küche ab, statt die gesamte Wohnung lahmzulegen. Der Lerneffekt zu Beleuchtung und Kochen bleibt weitgehend erhalten.
Wie oft sollte man eine solche Übung wiederholen?
Einmal im Jahr ist ein sinnvoller Rhythmus, idealerweise abwechselnd in unterschiedlichen Jahreszeiten, da Heizen im Winter und Kühlen im Sommer jeweils andere Schwachstellen offenlegen.
Fazit
Eine geplante Blackout-Übung ist unbequemer als jede Checkliste, aber ehrlicher. Sie zeigt in 24 bis 48 Stunden mehr über die eigene Vorsorge als Monate des Lesens über Notfallausrüstung. Wer nach dem Test seine Lücken schließt – bei mir waren es Batterien und eine zweite Lichtquelle – geht mit einem realistischen statt einem gefühlten Sicherheitsniveau in den nächsten echten Stromausfall.